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Was ein Elektroauto in der Schweiz pro Kilometer kostet

Stand: 6. September 2026

Es gibt zu dieser Frage sehr viele Artikel, und die meisten haben dasselbe Problem. Sie nennen eine Zahl, «ein Elektroauto kostet 40 Rappen pro Kilometer», und verschweigen, dass diese Zahl aus sechs Annahmen zusammengesetzt ist, von denen fünf geraten sind.

Dieser Text macht es umgekehrt. Zuerst kommt der Teil, den man exakt ausrechnen kann. Danach kommen die Posten, bei denen niemand eine harte Zahl hat, wir eingeschlossen, und wir sagen bei jedem, warum. Am Schluss stehen alle Quellen mit Datum.

Der Teil, der exakt ist: Strom gegen Benzin

Für den Energiekostenvergleich brauchen Sie genau vier Zahlen. Zwei Preise und zwei Verbräuche. Alle vier gibt es öffentlich.

Der Strompreis. Die Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom publiziert die Tarife der Grundversorgung. Für 2026 beträgt der mittlere Gesamttarif für einen typischen Haushalt (Verbrauchsprofil H4, 4'500 Kilowattstunden im Jahr) 27.7 Rappen pro Kilowattstunde. Das sind 1.3 Rappen weniger als 2025, oder rund 58 Franken weniger auf der Jahresrechnung.

Der Benzinpreis. Der TCS erhebt die Treibstoffpreise laufend. Bleifrei 95 kostet im Landesdurchschnitt CHF 2.01 pro Liter, gültig seit dem 3. September 2026.

Die Verbräuche hängen vom Auto ab. Darum hier keine einzelne Zahl, sondern zwei Tabellen, in denen Sie Ihre eigene finden.

Energiekosten auf 100 Kilometer

Elektroauto, zu Hause geladen, bei 27.7 Rappen je Kilowattstunde
Verbrauch Kosten auf 100 km
13 kWh CHF 3.60
15 kWh CHF 4.16
17 kWh CHF 4.71
19 kWh CHF 5.26
22 kWh CHF 6.09
Benziner, bei CHF 2.01 pro Liter
Verbrauch Kosten auf 100 km
5.0 Liter CHF 10.05
6.0 Liter CHF 12.06
7.0 Liter CHF 14.07
8.0 Liter CHF 16.08
9.0 Liter CHF 18.09

Das ist die ganze Rechnung. Kein Modell, keine Annahme, zwei publizierte Preise mal Verbrauch.

Das Verhältnis liegt bei ungefähr eins zu drei. Ein Elektroauto mit 15 kWh auf 100 Kilometer fährt zu Hause geladen für CHF 4.16, ein Benziner mit 6 Litern für CHF 12.06. Auf 15'000 Kilometer im Jahr sind das CHF 624 gegen CHF 1'809, also rund 1'200 Franken Unterschied pro Jahr, allein bei der Energie.

Was Schweizer Elektroautos wirklich verbrauchen

Damit Sie in der ersten Tabelle die richtige Zeile finden: wir haben für unseren Kostenrechner im August 2026 25 konkrete Angebote vom Schweizer Markt erfasst, mit den jeweiligen Verbrauchsangaben der Hersteller. Die Bandbreite über alle 25 liegt bei 13.2 bis 17.5 kWh auf 100 Kilometer.

Neun Eckpunkte aus unserer Erhebung, Herstellerangaben nach WLTP
Fahrzeug kWh/100 km Batterie
Dacia Spring Essential 13.2 26.8 kWh
Tesla Model 3 RWD (LFP) 13.2 57.5 kWh
BYD Dolphin Surf Boost 14.5 43.2 kWh
VW ID.3 Pro 15.3 58 kWh
Renault Megane E-Tech EV60 16.1 60 kWh
Skoda Enyaq iV 80 16.1 77 kWh
MG MG4 Premium 64 16.6 64 kWh
Hyundai Ioniq 5 77.4 RWD 17.0 77.4 kWh
VW ID.4 Pro Performance 17.5 77 kWh

Zwei Hinweise dazu, weil sie wichtig sind. Erstens: das sind Herstellerangaben nach WLTP, keine gemessenen Werte. Im Winter, auf der Autobahn und mit Anhänger liegt der reale Verbrauch darüber, typischerweise deutlich. Wer nachschlagen will, was ein bestimmtes Modell offiziell verbraucht, findet das im Verbrauchskatalog von Bundesamt für Energie und TCS. Zweitens: der Unterschied zwischen dem sparsamsten und dem durstigsten Auto in dieser Liste beträgt 4.3 kWh auf 100 km. Bei 15'000 Kilometern im Jahr sind das rund 180 Franken. Die Modellwahl ist beim Strom also weniger entscheidend als beim Benzin.

Der Posten, der teurer ist als der Strom: das öffentliche Laden

Die 27.7 Rappen gelten für Ihre eigene Steckdose. An einer öffentlichen Schnellladesäule zahlen Sie ein Vielfaches. Unser eigener Rechner arbeitet mit 55 Rappen pro Kilowattstunde für öffentliches Laden.

Diese 55 Rappen sind eine Annahme. Es gibt in der Schweiz keinen publizierten Durchschnittspreis pro Kilowattstunde fürs öffentliche Schnellladen. Wir haben danach gesucht und keinen gefunden. Der TCS vergleicht die Netze, aber pro Ladung von 50 Kilowattstunden statt pro Kilowattstunde, und seine Preisangaben stammen aus dem Juni 2023. Wir nennen unsere Zahl hier trotzdem, weil sie das Ergebnis unseres Rechners mitbestimmt und Sie das wissen sollen.

Was daraus folgt, gilt aber unabhängig von der genauen Höhe: wenn Sie zu Hause nicht laden können, ändert sich die Rechnung fundamental. Bei 55 Rappen kostet ein Auto mit 16 kWh auf 100 km rund CHF 8.80 auf hundert Kilometer. Das liegt schon in der Nähe eines sparsamen Benziners. Die entscheidende Frage vor einem Kauf ist in der Schweiz also nicht, welches Modell, sondern: haben Sie eine Steckdose, an der das Auto über Nacht stehen kann? In einer Mietwohnung ohne eigenen Parkplatz ist die Antwort oft nein, und dann ist der grösste Vorteil weg.

Wie oft zu Hause geladen wird, ist immerhin erhoben. Das Bundesamt für Energie schätzt für das Jahr 2022, dass 63 Prozent der Ladevorgänge am Wohnort stattfanden, 19 Prozent am Arbeitsplatz, 7 Prozent am Zielort und 10 Prozent an Schnellladestationen. Unser Rechner setzt als Vorgabe 85 Prozent zu Hause an, weil er für eine Person mit eigener Lademöglichkeit rechnet und nicht für den Landesdurchschnitt. Wenn das auf Sie nicht zutrifft, stellen Sie den Wert im Rechner herunter. Er ändert das Ergebnis spürbar.

Die sechs Zahlen, die niemand genau kennt

Jetzt zum unehrlichen Teil der meisten Vergleiche. Über die Energie hinaus gehören in eine Vollkostenrechnung mindestens diese Posten. Wir schreiben dazu, was unser eigener Rechner einsetzt und wie gut das belegt ist. Die Antwort ist bei allen sechs: nicht gut genug, um sie Ihnen als Tatsache zu verkaufen.

Wertverlust. Der grösste Posten von allen, bei einem Neuwagen um ein Vielfaches grösser als der Strom. Unser Rechner arbeitet mit einer Restwerttabelle, die für alle Modelle gleich ist (nach fünf Jahren 44 Prozent des Kaufpreises). Eine publizierte Schweizer Restwerttabelle für Elektroautos über eins bis zehn Jahre haben wir nicht gefunden. Es gibt Einzelwerte aus Marktauswertungen von AutoScout24 Schweiz, die in dieselbe Grössenordnung zeigen, aber keine amtliche oder verbandsseitige Tabelle. Dass die Restwerte sich zwischen den Marken stark unterscheiden, ist dabei unbestritten, und genau das bildet eine einzige Tabelle nicht ab.

Versicherung. Unser Rechner setzt CHF 1'500 im Jahr für Vollkasko an, für jedes Fahrzeug gleich, unabhängig von Wert, Fahrerin und Bonusstufe. Einen publizierten schweizerischen Durchschnitt für die Vollkaskoprämie gibt es nicht: der Versicherungsverband publiziert nur Prämienvolumen, und die Zahlen der Vergleichsportale sind Durchschnitte ihrer eigenen Nutzer, nicht des Landes. Holen Sie zwei echte Offerten. Der Unterschied zwischen einem Occasionswagen für 15'000 Franken und einem Neuwagen ist erheblich, und der TCS meldet für 2026 einen Anstieg der Kaskoprämien um 14 Prozent.

Service und Reifen. CHF 1'000 im Jahr, ebenfalls pauschal. Elektroautos brauchen weniger Service (kein Ölwechsel, weniger Bremsenverschleiss durch Rekuperation), wegen Gewicht und Drehmoment aber mehr Reifen. Ob sich das aufhebt, wissen wir nicht. Auch der TCS publiziert dafür keine Frankenzahl, sondern rechnet mit Erfahrungswerten und Importeurangaben.

Kantonale Motorfahrzeugsteuer. Hier ist der Unterschied zwischen den Kantonen sehr gross, und einige Kantone gewähren Elektroautos einen Rabatt oder eine befristete Befreiung. Unser Rechner deckt derzeit nur den Kanton Aargau ab, mit einem festen Wert. Für jeden anderen Kanton müssen Sie beim kantonalen Strassenverkehrsamt nachschauen. Diese Daten haben wir nicht.

Wallbox. Unser Rechner rechnet mit CHF 2'000 einmalig, verteilt auf die Haltedauer. Für das Gerät selbst nennt ein Bericht im Auftrag von auto-schweiz eine Spanne von rund CHF 700 bis 3'000. Die Installation kommt dazu und ist in derselben Quelle ausdrücklich als möglicherweise sehr teuer bezeichnet, je nach Leitungsweg und Gebäude. In einem Mehrfamilienhaus kann der Gesamtbetrag deutlich über unserer Pauschale liegen.

Kapitalkosten. Geld, das im Auto steckt, arbeitet nicht anderswo. Unser Rechner setzt 3 Prozent im Jahr an. Das ist eine Konvention, kein Marktpreis. Der TCS rechnet in seiner Kostenrechnung 2026 mit 0.05 Prozent, weil er eine Bankverzinsung meint und nicht eine entgangene Anlagerendite. Beide Zahlen sind vertretbar, sie messen nur nicht dasselbe, und der Unterschied macht bei einem Auto für 40'000 Franken über tausend Franken im Jahr aus.

Wer doch eine Gesamtzahl nennt

Wenn Sie eine einzelne Zahl brauchen und nicht selber rechnen wollen, nehmen Sie nicht unsere, sondern die des TCS. Der TCS berechnet jährlich die Kilometerkosten für ein Musterauto und kommt für 2026 auf 74 Rappen pro Kilometer, bei einem Neupreis von CHF 45'000, Fixkosten von CHF 6'977 und variablen Kosten von CHF 4'135 im Jahr. Das Musterauto ist ein Durchschnitt über die Antriebsarten und nicht speziell ein Elektroauto, in der Stromvariante rechnet der TCS mit 18 kWh auf 100 km und 28 Rappen je Kilowattstunde.

Das ist eine belastbare Hausnummer aus einer Organisation, die die Datengrundlage dafür hat. Unser Rechner macht etwas anderes: er vergleicht konkrete Angebote miteinander, statt einen Landeswert zu publizieren.

Der Import aus Deutschland, und ein teurer Irrtum

Ein deutscher Occasionswagen sieht oft deutlich günstiger aus als derselbe Wagen in der Schweiz. Beim Import kommen Kosten dazu, und an einer Stelle gehen ältere Ratgeber schlicht falsch.

Elektroautos sind seit dem 1. Januar 2024 nicht mehr von der Automobilsteuer befreit. Der Bundesrat hat die Befreiung, die seit 1997 galt, aufgehoben. Seither fallen auf importierte Fahrzeuge 4 Prozent Automobilsteuer an, auch auf Elektroautos. Jeder Ratgeber, der noch von einer Befreiung spricht, ist älter als zwei Jahre.

Dazu kommen 8.1 Prozent Einfuhrmehrwertsteuer, allenfalls Zoll nach Gewicht, der Transport und die Schweizer Zulassung.

Die Falle, die richtig Geld kostet. Bei einem Fahrzeug, das nach der deutschen Differenzbesteuerung verkauft wird (Paragraf 25a UStG), ist keine Mehrwertsteuer ausgewiesen, und Sie können deshalb auch keine zurückfordern. Bei einem Auto mit ausgewiesener deutscher Mehrwertsteuer geht das. Der Unterschied beträgt 19 Prozent des deutschen Preises. Fragen Sie den Verkäufer vor der Anzahlung, welche der beiden Varianten vorliegt. Diese eine Frage ist bei einem Auto für 30'000 Euro mehrere tausend Franken wert.

Was wir Ihnen empfehlen zu tun

  1. Rechnen Sie die Energie selber, mit den Tabellen oben und Ihrem echten Jahreskilometerstand. Das ist die eine Zahl, die stimmt.
  2. Klären Sie das Laden zu Hause, bevor Sie ein Modell aussuchen. Ohne eigene Lademöglichkeit schrumpft der Vorteil stark.
  3. Holen Sie zwei echte Versicherungsofferten für das konkrete Fahrzeug. Nehmen Sie keine Pauschale, auch unsere nicht.
  4. Schauen Sie die Motorfahrzeugsteuer Ihres Kantons nach. Die Unterschiede sind gross und wir können sie Ihnen nicht abnehmen.
  5. Beim Import: fragen Sie nach der Differenzbesteuerung und rechnen Sie mit 4 Prozent Automobilsteuer, nicht mit null.

Angebote im Kostenrechner vergleichen

Der Rechner selbst ist auf Englisch und vergleicht 25 im August 2026 von Hand erfasste Angebote.

Woher die Zahlen stammen

Die beiden Preise, auf denen der exakte Teil beruht:

Die übrigen Angaben im Text:

Was wir ausdrücklich nicht behaupten. Die Vorgabewerte unseres Rechners für Versicherung, Service und Reifen, öffentliches Laden, Heimladeanteil, Wallbox, Kapitalkosten, kantonale Steuer und Restwerte sind Schätzungen ohne publizierte Quelle. Wir sagen das im Text an jeder einzelnen Stelle, und im Rechner steht bei jedem Wert, ob er belegt oder geschätzt ist. Wenn Sie eine dieser Zahlen für eine eigene Rechnung brauchen, holen Sie sie bei der Quelle: ElCom für Strom, TCS für Betriebskosten, das kantonale Strassenverkehrsamt für die Steuer, eine echte Offerte für die Versicherung.

Dieser Text ist keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Preise, Tarife und Vorschriften ändern sich, prüfen Sie sie vor einer Entscheidung bei der genannten Quelle nach.